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Hitlers Politisches Testament  

Vorbemerkung

Die auf Heinrich Heims Aufzeichnungen zurückgehenden Monologe Adolf Hitlers im Führerhauptquartier enthalten vier Berichte, die Martin Barmann selbst aufgezeichnet hat. Der erste, vom 21. Oktober I941 mittags, schließt mit folgender Äußerung des Führers zu dessen Thema Nr. I, den Juden: «Wenn wir diese Pest ausrotten, so vollbringen wir eine Tat für die Menschheit, von deren Bedeutung sich unsere Männer draußen gar keine Vorstellung machen können.» In der vierten Aufzeichnung, vom 30. November I944, der letzten aus dem Heimschen Konvolut schlechthin, führt sich Barmann als Gesprächspartner ein und zitiert dabei als Schluß seiner Bemerkung in direkter Rede: »Demgemäß ist unsere nationalsozialistische Lehre völlig antijüdisch = antikommunistisch = antichristlich . . .»

Zweifellos wäre Barmann der akkurateste und treulichste Berichterstatter der Tischrunden und nächtlichen Teegespräche gewesen, wenn seine Stellung und Tätigkeit im Führerhauptquartier dies nur zugelassen hätte. Unter den gegebenen Umständen begnügte er sich damit, die Vermerke Heims, in dessen viermonatiger dienstlicher Abwesenheit die Dc. Pickers und eines dritten Schreibers der letzten zehn Berichte, zu überprüfen und gelegentlich auch zu redigieren. Als Hitler im Januar I945 das Hauptquartier in den Bunker der neuen Reiehskanzlei nach Berlin verlegt hatte, fühlte er sich noch einmal zu schwerwiegenden Äußerungen über Werden und Ziele seines Wirkens und zu deren Aufzeichnung veranlaßt. Die Situation im Bunker der Reichskanzlei war mit der der «Wolfsschanze» zu Beginn des siegreichen «Rußlandfeldzugs» nicht zu vergleichen, und so gab Hitler seine Gedanken nur noch vor wenigen Privilegierten, in besonderen Fällen vielleicht sogar nur noch in Anwesenheit Barmanns preis.

Hitler vertraute Barmann seine letzten Maximen und Reflexionen an, denn kein anderer seiner Umgebung verstand ihn so wie er, Goebbels eingeschlossen. Dieser Beweis des Vertrauens ist um so weniger verwunderlich, als er ihn wenige Wochen später zu seinem Nachfolger in der Führung der Partei und zu seinem Testamentsvollstrecker ernannte.

Man kann annehmen, daß Barmann von Hitler selbst den Auftrag erhalten hat, dessen letzte Gedanken über den Gang der Ereignisse, über den Zustand der Welt urd über die Zukunft Deutschlands einige Wochen vor dem Ende des Kriegs sorgfältig aufzubewahren; auf jeden Fall ist es wahrscheinlich, daß Barmann seine Aufzeichnungen auf Hitlers Verlangen gemacht hat. Es finden sich in ihnen Gedanken, die bis zu diesem Zeitpunkt in Hitlers Äußerungen nicht anzutreffen waren, Meinungen und Stellungnahmen, auf die er einige Monate oder Wochen vorher noch verzichtet hatte, vielleicht aus Treue gegentiber gewissen Überzeugungen oder um seine Umgebung im Glauben an gewisse Mythen zu lassen, deren Fortbestand ihm wichtig war.

Wenn man diesen Texten den Titel eines «Politischen Testaments>, gegeben hat, entSpricht dies also Hitlers eigener Vorstellung. Offenbar hatten Hitler und Bormann die Absicht, der Nachwelt für den Fall einer Niederlage eine Botschaft zu überliefern. Mit dieser Niederlage mußten nun auch sie rechnen, obgleich sie es ablehnten, es offen vor Dritten zuzugeben. Aber vor Barmann, seinem Intimus, konnte Hitler vollkommen freimütig sprechen. Über die Möglichkeit einer unvermeidlichen Niederlage spricht sich Barmann in einem an seine Frau gerichteten Brief vom g. Februar Igq.S aus. «Dir kann ich ja sagen, wie wenig erfreulich unsere Situation ist - offengestanden, sie scheint mir verzweifelt zu sein."

Bormann wohnte seit dem z. Februar 1945 im Bunker der Reichskanzlei. Das erste der 18 Kapitel, die den Inhalt dieses Bandes bilden, stammt vom q. Februar 1945. Aus welchem Grund enden die Aufzeichnungen plötzlich am 26. Februar Warum diese Unterbrechung von 35 Tagen zwischen dem 17. und dem 18. Kapitel? Und weshalb - nach dem langen Schweigen - die einzige Äußerung vom z. Aprü, und danach wieder nichts? Noch vergingen vier Wochen bis zu Hitlers Selbstmord. LTber die Ursache dieser Unterbrechung kann es nur Vermutungen geben.

Zur Zuverlässigkeit der r 8 Kapitel von Barmanns eige nen Vermerken nahm Dc. Hans-Heinrich Lammars, bis ; Reiclisminister und Chef der Reichskanzlei, in einem Brief vom 3z. März ig59 an Franois Genoud Stellung: «. . . Da ich seit Beginn des Krieges dem Führerhauptquartier angehört habe und gemeinsam mit Generalfeldmarschall Keitel und dem Reichsleiter der NSDAP Borrnann zum engsten Führungsstab gehcirte, sind mir die Ideen und Argumente, in denen Adolf Hitler sich über seine Politik und seine poütischen Ziele geäußert hat, vertraut. Ich habe auch in den Tagen, aus denen dievBormann'schen Niederschriften stammen, im Bunker der Reichskanzlei in der nächsten Nähe des Führers und Reichskanzlers gelebt und gearbeitet. Es sind mir daher beim Lesen der Bormann,schen Aufzeichnungen die in ihnen niedergelegten Äußerungen des Führers zum größten Teil- lebendig in mein Gedächtnis zurückgerufen worden; besonders in den Formulierungen, in denen Barmann sie schriftlich wiedergegeben hat. Daß Bormann die Äußerungen des Führers fast wörtlich aufzuzeichnen vermochte; entspricht auch durchaus seiner Natur; seinen Anlagen und seiner Arbeitspraxis. Denn er war- mehr ein treuer Dolmetscher der Weisungen Adolf Hitlers als etwa ein aus eigenem Gedankengut schöpferischer Politiker."

Eine andere, ganz andersartige Stellungnahme zur Authentizität der Bormann=Texte ist dem Schweizer Historiker und Diplomaten Carl Jacob Burckhardt, der von I937 bis zum Kriegsausbruch I939 als Hoher Kommissar in Danzig fungierte, zu danken. Professor Eduard Baumgarten, dei sich mit dem Dokument seit Erscheinen der englischen Ausgabe auseinandergesetzt hat und Fransois Genoud im Verlauf vieler Jahre von der Notwendig keit einer deutschen Ausgabe zu überzeugen bemüh; war, berichtet von dem Gespräch, das er mit Bnrekhardt bei seinem Besuch IgI am Südende des Genfer Sees führte:

«Unsere ausführlichen Unterredungen hatten Hitler zum Gegenstand. Ob ich ihm nicht den Text des Rückblieks Hitlers für ein paar Tage- tiberlassen könnte (es handelte sich damals noch nicht um den deutschen Originaltext, nach dem ich noch suchte, sondern um eine deutsche Rückübersetzung des in England erschienenen Textes, die ich vor kurzem für mich hergestellt hatteJ.

Am folgenden Morgen saß Burckhardt allein in der Sonne auf seiner Terrasse - Blick zum See hinunter, zum Montblanc hinüber. Er sagte iachentl, er habe alle ärztliehen Verbote durchbrochen; bis in die Nacht hinein habe er diese achtzehn Hitler-Kapitel in einern Zug von Anfang bis Ende gelesen. Er ging auf einzelnes ein; noch jetzt - am hellichten Morgen - ganz belebt -van dieser, wie er sagte <wunderlichen Fasziaation>, die das Dokument auf ihn ausgeübt habe: Als ob er Hitler noch eülmal zugehört und gegen ihn gestritten habe, wie am In. August I939 auf dem Kehlstein oberhalb-des Berghofs. Anfang und Ende; damals, kurz vor d.m letzten Entschluß und Anfang seines Kriegs und jetzt am Ende desselben. Am Anfang und am Ende der genau gleiche Mann, dasselbe Gehirn. Das sei natürlich auf diesen Blättern genaugenommen nicht Hitlers Diktion: Da redete vielleicht in Ihrem Übersetzungstext ein Franzose beiseite französisch mit und ein Engländer englisch. Aber das ist ja ganz unwichtig. Gedacht, gesagt kann das nur jemand haben, der in Hitlers Haut steckte. Und da steckte er eben nur selber drin. Niemand sonst - schon gar nicht Goebbels; der hätte es nicht fertiggebracht; mit einem so starken Unterton von Katzenjammer laut hin und her zu grübeln; wichtigste Erfahrungen und Selbsterlebnisse Hitlers wären Gaebbels ja gar nicht zur Hand, geschweige formulierbar gewesen. Dieser Hitler aber: Welche Nachtwandlerei in seinem . eigenen Friedhof. Alles war ihm allmählich schiefgegangen - außer, wie er meinte, die Sache mit den Juden.» «Anfang und Ende": heimgekehrt vom Genfer See las ich in Burckhardts «Danziger Mission» nach, wie denn damals.am «Anfang» der Versuch Burekhardts, auf Hitler einzuwirken, nämlich seine unvorsichtige Kriegslust zunächst indirekt durch verzögernde politische Lberlegungen zu blockieren, ausgesehen hatte.

Ziemlich am Ende; als eigentlich nichts mehr zwischen den beiden zu besprechen vvar, fragte Hitler Burckhardt: «Es gibt etwas in den Angelsachsen, besonders den Amerikanern, was sie zutiefst von uns trennt. Was ist das?» Burckhardt: «Vielleicht ist es die Treue gegenüber Verpflichtungen . . . Paix - Pax - Pakt haben eine ähnliche Wurzel, ebenso wie im Deutschen <Friede> und <Freude>. Bei den Deutschen ist es eher eine Sache des Gefühls.» Hitler: « r erkennen unsere Taten als das an, was sie sind. Sie heucheln. ich ki5nnte Beispiele geben.»

Zur Überlieferung dieser Vermerke Barmanns: H. R. Trevar-Raper spricht in seinem Essay, dessen Text hiermit in deutscher Sprache zum ersten Mal vorliegt, von i einem «in Berlin anwesenden Nazi-Funktionär», dem Hitler:und Barmann am t7. April besondere Aufträge erteilten: Dies war der damalige Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident alther Funk. Für Trevor-Ropers Einführung zur englischen Ausgabe «The Testament of Adolf Hitlerm machte er zur Bedingung, daß sein Name nieht genannt werde, wohl in der Absicht, so wenige Jahre nach seiner Entlassung aus Spandau nicht in eine Diskussion um dieses Dokument hineingezogen zi werden: Der anderem von Trevor-Roper ebenfalls namentlich nicht genannte «befreundete Anwalt», der in der Bewahrung des Dokuments die entscheidende Rolle spielte, hieß Hans Rechenberg.

Rechenberg war unter General Ramcke Fallschirmjäger in Afrika. Nach der Niederlage des Afrika-Korps versuchte er, sich flber Algerien, Marokko und Spanien nach Deutschland durchzuschlagen, geriet in Algerien in französische, danach in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung I g46 nach Deutschland ging er nach Nürnberg, wo der Kriegsverbrecher-Prozeß im Gange war. Er arbeitete: als Gehilfe der Verteidigung, besuchte im Gefängnis Funk, seinen früheren Vorgesetzten, und sagte ihm zu, für dessen Interessen einzutreten. Er löste sein Versprechen ein: In Spandau, wo Funk eine lebenslängliche Haft verbüßen sollte, ließ er von ihm und anderen Inhaftierten Photos machen, deren Verüffentlichung in den USA die öffentliche Meinung beschäftigte. Im Falle des schwerkranken Funk trugen sie zu dessen vorzeitiger Entlassung bei.

Rechenberg nahm sich auch des Schicksals seines..:ehemaligen Kommandeurs, des General Rmeks, an. Dabei traf er mit Franois Genoud zusammen, der sich zu dieser Zeit mit Professor Niehans (Vevey} bemühte, deutsche Soldaten und Offiziere in französischen Gefängnissen zu betreuen. Im Verlauf . dieser Beziehung vertraute er Franois Genoud seine Photokopie der achtzehn Kapitel des «Testaments» an.

Kritiken der I980 im . Verlag. erschienenen «Mono-. loge» nach den Unterlagen Heims stellten die Frage nach einer Veröffentlichung des «Testaments», die in Deutschland noch immer ausstehe, so die Andreas Hillgrubers in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Sie erfolgt nun, to Jahre nach seinem Erscheinen ün französischer und englischer Sprache, Ve;röffentlichungen, die es z. B. Sebastian Haffner erlaubten, in seinen KAnmerkungen zu Hitler» die Kenntnis, dieses Dokuments auch bei deutschen Lesern als bekannt vorauszusetzen.

Bei diesen Äußerungen Adolf Hitlers dürite es sich im wahren Wortverstand um seine letzten aufgezeichneten Worte handeln, wahnhaft und unerbittlich endend mit seinem Thema Nr. I, 'den Juden.

Von Zeugen dieser entschwundenen Zeit mag zu ihrer Erinnerung, von Nachgeborenen zu ihrer Information die Frage gestellt werden, wie denn die reale Lage Deutschlands sich darstellte, während sein Führer den Gedanken nachhing, die er durch Barmann der Nachwelt überliefert hat. Zu diesem Zweck folgt dessen Aufzeichnungen der Wehrmachtsbericht von den Ereignissen des Tages der Niederschrift; Er trägt das Datum des darauffolgenden Tages.

Eine Nachbemerkung sei Joseph Goebbels, der nun mit Hitler das Bunkerdasein in der Neuen Reichskanzlei teilte, gegönnt. Dafür bietet sich eine Stelle seines Tagebuch-Diktats vom Ostermontag, den z. April I945, an, dem Tag der letzten überlieferten Äußerung Hitlers zu Barmann. In ihrer Mischung aus sehnsüchtiger Erinnerung an die «Kampfzeit», als der Sieg Tag ftir Tag näher rückte, aus Selbstzufriedenheit mit dem gerade von ihm verfaßten «außerordentlich revolutionären Aufruf» zu den kommenden «Werwolf»-Rundfunksendungen und der ungebrochenen Entschlossenheit zum Selbstbetrug über die wahre Lage ist auch diese Aufzeichnung ein bemerkenswertes Dokument der letzten Wochen und Tage von «Furcht und Elend des Dritten Reiches».

Der Verlag


Ein historisch überaus wichtiges Dokument ist entdeckt worden: Hitlers politisches Testament, seine letzten Gedanken über den Krieg, der so gut wie verloren war.. Zum letzten Mal öffnete sich eine Tür in die finstere, schreckliche und unheimliche Kammer seines Innern, die dennoch erfüllt von einer explosiven Geisteskraft war.



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